Kyoto

Kyoto ist noch riesiger als erwartet, und allein der Weg aus dem Hauptbahnhof hinaus stellt eine Herausforderung dar. Wir gehen ein paar Kilometer im strahlenden Sonnenschein zu unserer Unterkunft, einer beengten Wohnung in einem Wohnhaus. Auf etwa 15 Quadratmetern befinden sich hier Küche, Bad und ein Wohn/Schlafbereich. Es ist klein, aber wir sind für uns, was wir nach den Tagen in den Hostels durchaus zu schätzen wissen.

Irgendwann stellen wir fest, dass wir am verhungern sind und machen uns zu Fuß auf die Suche nach einem Restaurant. Das stellt sich, selbst in einer Großstadt wie Kyoto, um 3 Uhr nachmittags allerdings als nicht so leicht heraus, da die meisten Läden gerade geschlossen haben. Endlich finden wir ein Café, wo ich dem Kellner mit Händen und Füßen erkläre, dass ich gern eine vegetarische Pizza hätte. Schließlich bekomme ich eine Pizza Margerita, auf der sich ein Berg grüner Salat mit Dressing türmt. Ungewöhnlich, aber sehr lecker, und besser als ich es von einer japanischen Pizza erwartet hatte.

Zu unserer Mietwohnung gehören auch zwei Fahrräder, mit denen wir am nächsten Tag eine Tour an den Stadtrand unternehmen. Wir fahren nach Arashiyama, einem Vorort im Westen Kyotos. Dort spazieren wir ein Stück durch den Bambuswald und besichtigen einen “Bamboo Temple”, dessen Name ebenfalls vom überall wachsenden Bambus herrührt.

Die Gegend lässt sich sehr angenehm mit den Rädern erkunden und wir halten immer mal wieder an, um uns interessante Plätze anzuschauen. So auch eine riesige Schrein-Anlage, die fast schon etwas von einem kleinen Dorf besitzt.

Auf dem Rückweg halten wir noch bei einem riesigen Supermarkt und decken uns schon mal mit allerlei Leckereien ein, die wir mit nach Hause bringen wollen: Misopaste, Algenblätter, Wasabi, Gewürze, Matchatee und noch einiges mehr.

Der Nishiki Market, eine schmale Marktstraße mit unzähligen Ständen an beiden Seiten, ist ein weiteres Highlight unseres Kyoto-Aufenthaltes.

Hier werden verschiedenste lokale Spezialitäten angeboten, besonders eingelegtes Gemüse und Fisch in jeder möglichen Variation, aber auch vielfältige andere Lebensmittel, von denen man wieder einiges probieren darf. Wir naschen uns einmal quer durchs Angebot und kaufen uns Wasabi-Erdnüsse, Fisch und Fleisch am Spiess, Oktopusbällchen und Sojakroketten.

Als es uns in der Gasse zu eng wird, gehen wir nach draußen und spazieren an einem Fluss entlang, beobachten Vögel und genießen die Ruhe.

Am Nachmittag besuchen wir die Burg Nijo, den ehemaligen Sitz des Shoguns, die Teil des Weltkulturerbes ist. Die Schlossanlage ist wirklich imposant. Die weitläufigen Innenräume zieren kostbare Wandmalereien und auch die Außenfassade ist mit aufwändigen Schnitzereien und goldenen Ornamenten verziert.

Im Schlossgarten gehen wir eine Weile spazieren und kehren schließlich in eine kleine Teestube ein, wo wir grünen Tee und eine Süßigkeit aus Teig und Bohnen bekommen.

Unser nächster Ausflug führt zum Fushimi Inari Schrein, der für seine unzähligen Torii Tore bekannt ist. Diese Tore symbolisieren normalerweise einzeln den Eingang zu einem Schrein. Hier jedoch haben sich über die Jahrhunderte immer mehr angesammelt, weil wohlhabende Familien, Firmen oder Personen einzelne Tore gestiftet haben.

So befinden sich auf dem Gelände um den Berg Inari regelrechte Tunnel aus tausenden Toren, durch die man vom Tempel zu vielen kleineren Stätten gehen kann. Für weniger Geld kann man auch als Besucher noch immer ein Tor im Taschenformat erwerben, das dann auf dem Gelände aufgestellt wird.

Der Gott Inari, dem Schrein und Berg gewidmet sind, ist unter Anderem Gott der Füchse, weshalb sich das Fuchsthema an etlichen Stellen, wie etwa Statuen wiederfindet. Diesen Statuen werden regelmäßig Opfer im Sinne von Reis oder Sake gebracht, um den Gott wohl zu stimmen. Der Gang durch den Tunnel aus leuchtend roten Toren und die Fuchsschreine machen den Ort zu einem wirklich traumhaften Postkartenmotiv und einem tollen Ausflugsziel.

Im zum Ort gehörigen Schrein besuchen wir ein Katzencafé, in dem man für eine Getränkepauschale mit den dort lebenden Vierbeinern kuscheln und spielen kann. Für Japaner, die viel unterwegs sind und sich in ihrer kleinen Wohnung keine Katze halten können, ist dies eine wunderbare Alternative.

Später spazieren wir noch durch eine Straße, in der sich ein spannender Lebensmittelstand an den nächsten reiht. Heute probieren wir eine Art Omlette (gefüllt mit allem vorstellbaren, süßer Soße, Mayo und getrocknetem Fisch), eine Art fischförmige Waffel mit Vanillefüllung, frittierte Käsestangen und gebratenen Tofu mit Ingwer. Der Tofu soll das Lieblingsessen der Füchse sein und ist deshalb hier besonders beliebt… mir schmeckt er auf jeden Fall!

Den Abend verbringen wir am Fluss Kamogawa, wo wir ein paar Kormorane und einen Reiher beobachten, der sehr geschickt immer wieder kleine Fische aus den Stromschnellen pickt.