Nara

Unser Tag in Nara startet mit einer netten Unterhaltung mit unserem Gastgeber Yuki. Er erzählt uns ein bisschen über die Stadt und ihre Geschichte und Kultur und empfiehlt uns ein paar Orte, die wir besuchen sollen. Wir starten gleich mit dem ersten, einem kleinen Laden, in dem man regionale Spezialitäten kaufen und traditionell japanisch frühstücken kann. Wir bekommen Reis, Misosuppe, gekochtes und eingelegtes Gemüse, Tofu und gebratene Auberginen mit süßlicher Soße.

Nach dem Essen schlendern wir durch ein paar Gassen mit kleinen Geschäften in Richtung Nara Park. In diesem befinden sich in malerischer Landschaft einige Schreine und Tempel.

Wie unser Gastgeber uns erklärt hat, besteht der Unterschied zwischen Schrein und Tempel in der jeweiligen Religion. Im Shintoismus, der ursprünglicheren Religion Japans, wird ein Schrein einem oder mehreren Göttern (kami) gewidmet. Diese Götter können die Form von Menschen, aber auch Tieren und Gegenständen haben und werden im Schrein verehrt und um Gefallen gebeten. Tempelanlagen dagegen wurden erst später mit dem Buddhismus aus anderen Ländern, wie China oder Indien nach Japan gebracht und etabliert. Über die Jahrhunderte haben sich diese Religionen allerdings stark beeinflusst und vermischt, sodass es für viele Japaner kein Widerspruch ist, sowohl im Tempel als auch im Schrein zu beten.

Einzigartig wird der Nara Park durch die freilaufenden Rehe, die hier zu Ehren irgendeiner Gottheit leben. Die Rehe haben wenig Scheu vor Menschen, deshalb kann man sie sogar mit speziellen Crackern füttern. Um an diese Cracker zu kommen, stellen sich viele der Tiere sehr schlau an und verbeugen sich vor den Passanten, was diese natürlich freut und die gerne ein Leckerli springen lassen.

Man sollte mit den Crackern allerdings nicht zu offen durch eine größere Herde laufen, da man sonst auch schon mal verfolgt oder angeknabbert werden kann. In dem ansonsten auch wirklich schönen Nara sind sie allerdings unser Highlight.

Vor unserer Abreise aus Nara kommen wir noch einer Empfehlung unseres Gastgebers nach, dem Besuch einer Sake-Manufaktur. So finden wir uns also morgens in einem netten Ambiente ein, um verschiedene Sakes zu verkosten.

Manche sind mehr, andere weniger lecker, aber ausnahmslos sind sie besser als alles, was ich in Deutschland bisher an Sake probiert habe. Besonders beliebt ist der Verkaufsschlager “extra dry”, der ausschließlich aus Wasser und Reis der Region gewonnen wird und dementsprechend sehr rein schmeckt. Die anderen Sorten sind etwas süßer, manche sogar trüb oder prickelnd.

Leicht beschwipst und mit zwei Flaschen extra trockenem Sake im Gepäck machen wir uns auf den Weg nach Kyoto.